Literatur Netz Heidelberg
Bunt gedacht...
 

Die Initiative


Weitere Kommentare

Hier nun die Kommentare der Mitwirkenden:

Neues Literaturfestival in Heidelberg

Vom 18. bis zum 20. September 2015 fand der 1. Literaturherbst Heidelberg statt. Überregional bekannt sind die Heidelberger Literaturtage auf dem Uniplatz, deren Schwerpunkt auf internationaler Poesie liegt.

Um auch Literaturschaffenden aus der Region ein Forum zu geben, wurde dieses neue Herbstfestival, unterstützt von der Stadt Heidelberg, aus der Taufe gehoben.

An Organisation und Durchführung waren auch Mitglieder der VS-Regionalgruppe Rhein-Neckar beteiligt.

Das Besondere am Literaturherbst ist die Offenheit gegenüber allen Sparten und Gruppierungen, die sich mit Literatur beschäftigen. So nutzten nicht nur Autorinnen und Autoren, sondern auch Verlage, Buchhandlungen, Gästeführer, Lesezirkel, Studierende, Schauspieler und Schüler das Festival als Plattform für unterschiedliche Darstellungsformen, vom Poetry Slam über Gesprächskreise und Theater bis zur klassischen Lesung.

Der VS Regio beteiligte sich mit einer Frühstückslesung zur dritt in der Backstube des Café Burkardt. Anne Richter, Gudrun Reinboth und Anton Ottmann präsentierten Auszüge aus ihren Werken. Die Veranstaltung war erfreulich gut besucht, wie überhaupt der 1. Literaturherbst eine positive Publikumsresonanz erfuhr.

Ob und in welchen Abständen das Festival fortgeführt wird, ist noch offen; die Erfahrungen werden derzeit ausgewertet.

Marcus Imbsweiler für VS-Zeitschrift „Die Feder“


„Erzähl mal was!“

Experimentell im besten Sinn – so lässt sich die Nachmittagsveranstaltung im DAI auf den Nenner bringen. Eine Gesprächsrunde mit vier Autorinnen und Autoren aus Heidelberg, das klingt noch wenig innovativ.

Ungewöhnlich wurde die Veranstaltung durch die Teilnahme von vier Schülerinnen und Schülern aus der Literatur-AG des Hölderlin-Gymnasiums (Leitung: Christiane Hoff) sowie durch die Art und Weise des Dialogs: Während die Schüler eigene Erfahrungen und Beobachtungen mal in freier, mal in gebundener Form schilderten, sollten die Schreib-„Profis“ darauf spontan mit Kommentaren aus ihrer eigenen Lebens- und Schreibenswelt antworten.

So berichtete ein Schüler eindrucksvoll von den Schwierigkeiten, als Ausländer in Deutschland Fuß zu fassen, woran die Runde mit Betrachtungen zur aktuellen Flüchtlingslage anknüpfte.

Die Teilung Deutschlands bot ebenso Gesprächsstoff wie allgemeine Reflexionen zum Thema Zeit, zu Jugend und Alter. Insgesamt hätte der Veranstaltung eine stärkere Fixierung auf den Fokus Literatur gutgetan; dafür sorgten die Gesprächsbereitschaft und der Mut zur Offenheit auf Seiten der Schülerschaft im Publikum für höchste Anerkennung.

Ein Format, das – mit kleinen Änderungen – eine Fortsetzung verdient hätte.

Bericht: Marcus Imbsweiler


Türkisch-Kurpfälzisch-Sazaki – Häh?

In der Heidelberger Werkgemeinschaft, einem Verein zur Unterstützung psychisch Kranker, präsentierte das Pfalz-Literatett ein musikalisch-literarisches Programm mit Schwerpunkt auf der Sprachenvielfalt der Rhein-Neckar-Region.

Das Wort „führte“ dabei der Verleger und Literaturkenner Ulrich Wellhöfer aus Mannheim, der sich sehr für die Mundartdichter der Region einsetzt, etwa für Hanns Glückstein. Musikalisch unterstützt wurde er vom Gitarristen/Sänger Alfred Baumgartner und dem Pianisten Peter Tröster. Musik und Text im Dialog, einander anfeuernd, untermalend, mal aber auch in Konkurrenz zueinander – die Spielarten der Darbietung waren zahlreich.

In seinem zweistündigen Programm machte das Pfalz-Literatett deutlich, dass sich Dialekt und Mundart nicht nur mit Humor und Mutterwitz verbinden können, sondern auch mit Tiefgang und existenziellen Problemen. Erst recht, als der aus der Türkei stammende Dichter Hasan Dewran das Trio zum Quartett ergänzte: Seine Gedichte in Türkisch, Hochdeutsch und der Zaza-Sprache wurden von Wellhöfer ins Kurpfälzische übertragen – mit immer wieder verblüffendem Ergebnis. Großer Applaus im vollbesetzten Saal.

Bericht: Marcus Imbsweiler


Verein mit 1. Literaturherbst zufrieden

Lesungen ziehen viele in Bann Von unserem Redaktionsmitglied Michaela Roßner

DAI

Veranstaltung: „Bruchstücke für Juliane“ von Bernd Leibowitz 19.9.2015, 17.30 bis 19 Uhr DAI (Bibliothek), Sofienstr. 12 Veranstalter: Draupadi Verlag

Zunächst wurde der Autor vorgestellt: Bernd Leibowitz wurde in Mannheim geboren und lebt jetzt in Neustadt an der Weinstraße. „Bruchstücke für Juliane“ ist sein erster Roman. Es handelt sich um einen Liebesroman, der die Zeitstimmung der 1970er Jahre wiederzugeben versucht.

Der Autor las zwei längere Passagen aus seinem Roman. In beiden Teilen geht es um Heidelberg. Die erste Passage beschreibt, wie der in Mannheim lebende Student Robert Meyer mit einigen Freunden nach Heidelberg fährt und dort einen Jazzkeller besucht. Im zweiten Teil geht es um den anderen Protogonisten, den Studenten Bernd Koslowski, der mit seiner Traumfrau Juliane einen Ausflug nach Ziegelhausen macht.

Nach der Lesung gab es noch ein Gespräch, in dem es um den Roman und allgemein um Literatur ging. Der Moderator Christian Weiß fragte den Autor nach seinen literarischen Vorbildern und nach den Kriterien für gute Literatur. Bernd Leibowitz sagte, dass er gern schwierige Bücher lese. Mit „Bruchstücke für Juliane“ habe er versucht, einen literarisch anspruchsvollen Roman zu schreiben. Neben den üblichen Kriterien (überlegte Komposition des Werks, anspruchsvolle Sprache, Vermeidung von Klischees usw.) sei es ihm vor allem darum gegangen, dass beim Lesen Bilder evoziert werden.

Zu der Veranstaltung waren ungefähr 50 Zuhörer und Zuhörerinnen gekommen. Sie hörten aufmerksam zu und schienen mit der Lesung auch recht zufrieden zu sein.


Kriminelle Dreierlesung

In angenehmer Atmosphäre im Montpellierhaus begrüßten uns freundlich 3 jüngere Kriminalbesessene. Mit funkelnden Augen und verwegen grinsend stand Claudia Schmid vor uns, wohlerzogen freundlich lächelte der sportliche Marcus Imbsweiler den Gästen entgegen, während Hannah Corvey eher schüchtern umherschaute. Letztere eröffnete die Lesung, indem sie mit zarter, aber entschlossener Stimme Atemberaubendes vortrug. Es geht in ihrem Erstling „Heidelberger Gold“ um einen Unternehmer in den besten Jahren, der ermordet aufgefunden wird. Da dieser Mann – natürlich geschieden – ein heftiger Schwerenöter war, geht es recht schnell um die Exfrau, diverse Affären, Eifersucht, dass man bald den Verdacht hegt, es handelt sich um einen spannenden Frauenkrimi.

Marcus Imbsweiler übernimmt und liest aus „Abschiedstour“. Es geht ein letztes Mal um Max Koller, seines Zeichens Privatermittler – und es wird auch hier ganz privat. Seine Exfrau Christine soll eine Affäre mit dem aktuellen Mordopfer Schmider gehabt haben. Dass Koller im Zuge seiner Ermittlungen irgendwann sogar Hauptverdächtiger wird, toppt das kriminalistische Durcheinander erheblich. Er flieht und durchkämmt die Altstadt, das Umland, die Unterwelt.

Nach diesen verwirrenden Komplikationen trägt Claudia Schmid als Dritte im Krimi-Bunde aus ihrem Buch „Wer mordet schon in Mannheim“ den letzten Kurzkrimi ihres Buches vor. Das Publikum schreckt zusammen, als die Autorin mit einem gellend lauten „Eeedelgard“ Ausruf beginnt – getätigt von Ehemann Norbert, der in denkbar schlechtem Licht vorgestellt wird. So verwundert es auch nicht, dass Edelgard ihn loswerden sprich: um die Ecke bringen will. Wie und wo dies versucht wird, kann man anhand einer Mannheim-Tour mitvollziehen. Eine schrille und abstruse Ehehölle –temperamentvoll vorgetragen von Claudia Schmid. Leider war diese wundervolle Krimi-Performance nicht so besonders gut besucht. Warum auch immer ?! Aber die wenigen beglückten Anwesenden kauften gleich alle 3 Bücher!!!

Bericht: Gabriele Lohmann, Sept. 2015


Fulminante Schlussveranstaltung des 1. Literaturherbstes im Romanischen Keller:

Hubert Habig führte in beeindruckender, ernster Pose biographische Eckdaten, Textausschnitte aus Briefen sowie einige Gedichte verschiedener Romantiker vor – begleitet, ergänzt und untermalt durch Jutta Glasers Gesang und Musik. Es ging zunächst um Karoline von Günderrode, ihre Lebenssehnsüchte und -ansprüche und ihre schwierige Liebesbeziehung zu dem verheirateten Professor Friedrich Creuzer. Sie erdolcht sich im Alter von nur 26 Jahren. Die Ehe Clemens Brentanos mit Sophie Mereau findet ein jähes und trauriges Ende, als sie bei der Geburt des 3. Kindes stirbt. Die Frauen sterben, die Freunde Brentano und von Armin leben und schreiben – eine Zeitlang in Heidelberg lebend - weiter, geben die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ heraus.

Jutta Glaser begleitet das Publikum nach kurzer Pause musikalisch aus einer melancholischen Stimmung in den zweiten Teil des Abends, der wunderbar kontrastiv von der Schwere der Romantik in die leichte und verrückte Sprachwelt des Doismus (dem Dadaismus folgend) führte. Jochen Seiterle (Gitarre) und Heiner Grombein als Doist übertrafen sich in kühnen Musik- und schrillen Textkaskaden. Man nimmt es mit der Realität nicht so genau, folglich ging es in Grombeins Texten u. a. um einen Friedrich F. Hufnagel aus Wilhelmsfeld, Mitglied der Gruppe `47, um Ingeborg Bachmann, um wilde Do-do-do-Sequenzen. Eine junge Doismus-Preisträgerin trug eine wilde Geschichte vor, die Herren übernahmen wieder….

Dem Limbus Club gelang eine beeindruckende Nonsense Performance.

Bericht: Gabriele Lohmann, September 2015


 
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